Sommerlicher 1. Advent

In Deutschland fällt der erste Schnee und die Weihnachtszeit beginnt. Auch in Bukoba ist die kleine Regenzeit noch nicht vollständig vorbei. Gesundheitlich bin ich wieder fit. Neben ein paar Gedanken an zu Hause und den Schnee will der Weihnachtsfunke selbstverständlich nicht so ganz über springen. Die Arbeit in Bukoba geht weiter und auch in der letzten Woche habe ich viele neue Erfahrungen und Erlebnisse gesammelt:

Feierlaune

Am Montag besuchen Gonzaga und ich die Karwoshe Primary School im Distrikt Bukoba. Diese erhält als letztjähriger Finalist eine Schulrenovierung von Jambo Bukoba. Nachdem wir mit den Schulen verabreden, was sie benötigen und neu- oder umgebaut werden muss, unterzeichnen beide Seiten einen Vertrag (Memorandum of Understanding). Dieser ist seit nunmehr 2 Monaten fertiggestellt und wird nicht vom District Education Officer (DEO) unterschrieben. Es ist für das Sekretariat, für die Schule und für uns unerklärlich, weil er damit im Endeffekt nur der Schule schadet. Es kann sich auch keiner sein Verhalten erklären. Als wir im Office ankommen ist der DEO zwar nicht vor Ort, aber das MoU unterschrieben.

Karwoshe

Von dort aus fahren wir zu der Schule, die mit dem Motorrad 15 Minuten von Bukoba entfernt liegt. Als wir ankommen, bin ich von dem Anblick des Klassenraums, der saniert werden soll, geschockt. Der Klassenraum wurde seit dem Erbauen der Schule in den 50er Jahren nicht mehr renoviert. Alles Schimmelt, das Dach ist undicht und die Dachkonstruktion droht fast zusammen zu brechen. In solchen Momenten merke ich, was Jambo Bukoba für die Region, die Schulen und die Kinder bedeutet. Zurück in Bukoba bereiten wir wie immer die morgige mit Clemens in Deutschland vor.

Kyaibumba Primary School

Dienstags nach dem Gespräch kümmere ich mich um die Buchhaltung und gehe dann das erste Mal seit 5 Monaten Rugby spielen. Tansania ist das gefühlt einzige ostafrikanische Land, das keine Rugbykultur und -teams besitzt. Relativ schnell lassen sich die Leute auf dem Sportplatz für den eierförmigen Ball begeistern. Das größte Problem sind die Sprachbarrieren, die es nicht so leicht machen, die Regeln zu erklären. Wir verabreden uns für Donnerstag.

Kiruruma Primary School

Am Mittwoch geht es früh morgens nach Biharamulo (160 Km von Bukoba entfernt), um die Fertigstellung der Renovierungsarbeiten der Kiruruma Primary School zu feiern. Wir werden von Eltern, Schülern, Lehrern und Regierungsmitarbeitern empfangen. Der Raum ist nun grundsaniert und im Vergleich zu früher für Schulunterricht nutzbar. Nach der Einweihung gibt es noch einen „Empfang“, auf dem das Elternkomitee, die Lehrer und der DEO zusammenkommen. Nach den Ansprachen gibt es Essen und es leider wie so oft: Nur die „hohen“ Gäste bekommen Fleisch und die anderen Gäste nichts. Das verdirbt nicht nur den Appetit, sondern sorgt für ein schlechtes Gewissen meinerseits. Während Gonzaga und ich etwas essen und den Rest dann rumreichen, lassen es sich die „wichtigen“ Persönlichkeiten in voller Munde schmecken und scheinen sich nicht an den hungrigen Blicken der Lehrer und Eltern zu stören. Doch bevor ich mich weiter darüber aufrege, fahren wir auch schon wieder zurück. Es ist schon spät und aus diesem Grund laufe ich zu Kalle, mit dem ich auch in Bagamojo war. Er bietet mir- wie immer in Biharamulo- einen Schlafplatz an.

Kiruruma Primary School

Nach einer kurzen Nacht geht es zurück Richtung Muleba. Dort besuchen wir die Kyaibumba Primary School. Sie sind die diesjährigen Finalisten der Final Bonanzas in Bukoba (31.Januar2014). Auch hier entscheiden sie, welche Arbeiten getätigt werden müssen. Die Entscheidung fällt ganz klar auf die Schaffung eines Lehrerzimmers. Bis jetzt müssen die Lehrer in einem Kassenraum provisorisch eingerichtet arbeiten. Dieser Raum fehlt dann letztendlich den Klassen, welche dann entweder draußen oder gar nicht unterrichtet werden. Am Donnerstag habe ich eigentlich vor Rugby zu spielen, doch diejenigen, die mir versprochen haben, dass sie zum Training kommen, sind nicht aufgetaucht. Selbstverständlich bin ich ein wenig frustriert, aber das braucht einfach eine gewisse Zeit, bis sich das etabliert.

Kyaibumba Primary School

Am Freitag haben wir unsere Bonanzas in dem Bukoba Distrikt (Landgebiet). Lange stand die Teilnahme einer Schule auf der Kippe. Zuerst wollte der DEO kein Transportgeld für die Kinder bezahlen, jedoch haben sie dann morgens noch Reserven klar gemacht. Das große Problem ist, dass hinter den meisten Finanzierungen kein Konzept steckt. Das heißt spätestens im Oktober ist das meiste Geld ausgegeben und alle müssen sparen. Als wir ankommen sind die Schulen auch schon da. Ein Team ist extra um 4 Uhr morgens los gelaufen, um rechtzeitig an dem vereinbarten Treffpunkt zu sein. Es ist Wahnsinn, welche Power und welcher Wille hinter den Schüler_innen steckt. Ich bin Schiedsrichter bei den Jambo Spielen. Sie verlaufen eigentlich ganz gut, jedoch sind die Lehrer der Teams sehr aggressiv und versuchen mit mir zu diskutieren. Es ist echt schade, denn die Lehrer nehmen somit auch den Kindern die Freude an den Spielen und bilden keine Vorbildfunktion für diese. Zurück in Bukoba freue ich mich auf das entspannte Wochenende. Ich habe Besuch aus Rulenge. Die fünf Freiwilligen, bei denen ich vor geraumer Zeit untergekommen bin, bleiben das Wochenende über in Bukoba. Wir verbringen eine entspannte Zeit mit viel Sonne.

Aufwärmen

Den ersten Advent verbringe ich bei strahlendem Sonnenschein am Strand und bin Gedanken im kalten Deutschland- da dieser Gedanke jedoch zu kalt ist, denke ich lieber über den Sonnenuntergang nach. Ich wünsche euch eine tolle restliche Woche.

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