Großstadtfeeling

Wer macht jetzt mehr angst?

Endlich ist es so weit: Wir fahren nach Dar es Salaam, um dort unser Arbeitsvisum zu erhalten. Ich stehe um 5:15 am Busbahnhof und warte auf Kons und Rebecca. Beide kommen auf den letzten Drücker. Diese Überpünktlichkeit kostet mich zwar einige Nerven, aber wir haben es ja alle geschafft. Vor uns liegt eine lange Reise. 1402 Kilometer mit wenigen Pausen. Es erinnert vermehrt an unsere erste Fahrt von Dar nach Bukoba und es fällt mir auf, dass es nunmehr 3 Monate sind, seitdem wir in Tansania sind.

Entspannen

Wiederum ist es nur ein Busfahrer, der die gesamte Strecke fahren soll. Wir kommen schnell voran und anstatt auf dem Weg zu übernachten, entschließt sich der Busfahrer durchzufahren. In der letzten Stadt vor Dar, Morogoro, werden wir von Polizisten angehalten. Sie sind tatsächlich der Meinung, dass ein Busfahrer für die gesamte Strecke nicht genügt- wäre ja dann fast wie in Deutschland;) Sie wollen uns erst nicht weiter fahren lassen. Konstantin und ich steigen aus, um uns mit den Polizisten zu unterhalten. Kurz darauf, warum auch immer, dürfen wir weiterfahren. Möglicherweise liegt es an unserem Drängen, aber es kann auch gut sein, dass der Busfahrer ihm Geld zu gesteckt hat, was hier gang und gäbe ist. Ich schlafe ein und werde von Kons geweckt, der mich auf das Feuer aufmerksam machen will, das am Armaturenbrett hinter dem Lenkrad entflammt ist. Wo in Deutschland eine Weiterfahrt schier unmöglich wäre, geht es nach Abwarten und Auspusten seitens des Fahrers weiter. Um 2:30 erreichen wir den Busbahnhof in Dar es Salaam. Hamadi, der Busfahrer, gibt uns seine Telefonnummer, falls wir in Dar Hilfe brauchen- was sich später noch bewahrheiten wird. Neben dem Busbahnhof gibt es ein Hotel, das wir für 3000 TSH mit dem Taxi erreichen. Dort angekommen wird uns jedoch gesagt, dass kein Zimmer mehr frei ist. Da wir am kommenden Morgen nach Bagamojo (70 Km entfernt) fahren (wir werden dort bei einer Freiwilligen, Sarah, unterkommen), schlägt der Taxifahrer vor, uns für 15000 TSH ein Hotel in der Nähe des anderen Busbahnhofs (Mwenge) zu finden.

Ziegen am Strand von Bagamojo

15000 sind schon echt viel, aber wir sind einfach so platt und aus diesem Grund willigen wir ein. 2 Hotels und 10 Minuten später kommen wir an einem freien Hotel an. Alles würde super klappen und wir finden ein nicht so teures Zimmer, wäre da nicht der Taxifahrer: Er verlangt jetzt nämlich 70000 TSH, was umgerechnet 35 Euro sind. Den Kofferraum, in dem unser Gepäck liegt, lässt er verschlossen. Wir rufen Hamedi an und er bestätigt uns: Nicht mehr als 15000 TSH! Wir behalten den Standpunkt bei und auch die Angestellten des Hotels lachen den Taxifahrer nur aus. In Deutschland würde man jetzt die Polizei rufen, um die Sache zu klären. Doch das vehemente Drängen des Taxifahrers darauf verheißt nichts Gutes: Die tansanische Polizei würde in diesem Fall, ungeachtet des wirklichen Preises, einen Vergleich verlangen und wir müssten mindestens 35000 TSH zahlen. Außerdem sind unsere Sprachkenntnisse bei weitem nicht so gut, um auf die Anschuldigungen des Taxifahrers zu reagieren. Die Diskussion dauert 2 Stunden. Wir sind mittlerweile bei 25000, was ungefähr dem gesamten Tageseinkommen eines Taxifahrers entspricht. Wir merken, wie frustriert er darüber ist, dass er uns „Touristen“ nicht abzocken kann. Er fängt an, wütend zu werden und versucht uns einzuschüchtern. Er versucht mehrfach loszufahren, jedoch stelle ich mich vor das Auto. Er wedelt mit dem Schlüssel wild vor unseren Augen umher. Als er dann beginnt sich Steine zu suchen, mit denen er uns wohlmöglich schlagen kann, einigen wir uns auf 25000. Es ist bei weitem mehr als der übliche Preis. Aber wir sind fertig und haben keine Lust auf eine Rangelei in einer verlassenen Seitenstraße. Es ist halb 5 und wir entscheiden uns, nicht mehr im Hotel einzuchecken. Da wir jedoch nicht in dieser Gegend auf der Straße bleiben wollen, dürfen wir für ein Trinkgeld in dem Vorhof des Hotels bleiben und kriegen Stühle gestellt. Es ist eine nicht so schöne Ankunft in Dar und die Lust auf diese Stadt ist enorm gemindert. Um 6 Uhr machen wir uns auf Richtung Busbahnhof und nehmen den ersten Bus nach Bagamojo. In Bagamojo angekommen, holt uns Sarah ab. Nach einem Mittagsschlaf geht es zum wunderschönen Strand, an dem wir uns erst einmal entspannen. Dort lernen wir auch Dadian kennen. Sie lebt in Dar es Salaam und macht in Bagamojo Urlaub. Sie gehört tendenziell zur „gehobenen“ Klasse.

Sonnenuntergang in Tanga

Mit ihr fahren wir auch am Mittwoch nach Dar es Salaam, um unsere Visaunterlagen bei dem Immigration Office zu bezahlen. Aus diesem Grund müssen wir pro Person 550 Dollar (!) abheben. Es ist sehr fraglich, warum wir als Freiwillige genau so viel zahlen, wie richtige Arbeiter. Da die Bank in Bagamojo eine halbe Ewigkeit braucht und der Stau enorm ist, kommen wir genau 10 Minuten zu spät beim Office an. Aus diesem Grund beschließen wir, über Nacht in Dar zu bleiben, um nicht wieder zu spät zu kommen. Im Vergleich zu Bukoba wirkt Dar es Salaam wie eine westliche Metropole. Es gibt Einkaufszentren, Kinos, Fastfood Ketten und überall deutsche Protzkarosserien. Ich bin von der ganzen Reizüberflutung überfordert. Außerdem ist die Temperatur gefühlte 10 Grad höher als in Bukoba und das Klima und die Nächte nicht annähernd so angenehm kühl.
Es ist quasi ein nationaler Kulturschock:)

Sonnenaufgang in Bagamojo

Wir schlafen in einem kirchlichen Guest House in der Innenstadt. Diese sind immer sauber und nicht von Einbrüchen gefährdet. Donnerstagmorgen geht es erneut zum Immigration Office und alles klappt. Wir warten einige Stunden und müssen zu fünf verschiedenen Stationen, bis wir den Beleg erhalten. Wider Erwartens braucht das Visum zur Erstellung 2 Wochen. Da unser Touristenvisum jedoch früher abläuft, müssen wir dieses noch verlängern. Laut dem Office in Bukoba ist dies jedoch erst nach Ablauf möglich, das heißt am 8. November. Da es keinen Sinn macht nach Bukoba zu fahren, um drei Tage später wieder zurückzukehren, beschließen wir, bei Sarah in Bukoba zu bleiben. Es ist nicht so schwer, sich die Zeit in Bagamojo zu vertreiben:

Am Freitag sind wir am Strand und entspannen. Sadiki, ein Tansanier, der in Italien gelebt hat und den wir ebenfalls am Strand kennenlernen, lädt uns zu einer Trommelsession ein.

Zadiki

Wir sitzen am Lagerfeuer vor seinem Haus, mit Meergeräuschen im Hintergrund und singen, spielen Trommeln und unterhalten uns. Wieder einmal zeigt sich, wie offen die tansanische Kultur ist. Mir wird jetzt schon ein wenig bange, nach Deutschland zurückzukehren und diese generelle Offenheit der meisten Mitmenschen zu vermissen. Bongo Session

Am Samstag besuchen wir eine Krokodilfarm in der Nähe. Wir halten sogar junge auf den Armen. Es ist wunderschönes Wetter. Aus diesem Grund verbringen wir die Nacht unter Sternenhimmel mit Lagerfeuer am Strand. Morgens (Sonntag) bade ich dann während dem Sonnenaufgang im Meer und jener ist unbeschreiblich schön. Bagamojo ist geprägt von der deutschen Kolonialzeit. Es war die erste Hauptstadt von Deutsch Ost Afrika. Es gibt deutsche Straßen, Friedhöfe und Lager. Sehr empfehlenswert ist Bagamojo auch wegen seiner Kunstszene. Es gibt einen riesigen Kunstmarkt, ein College für moderne Künste und abendliche Tanzabende. Da wir bis Freitag auf die Verlängerung unseres Visums warten müssen und Sarah auch weg fährt, beschließen ein paar von uns, u.a. auch ich, nach Tanga zu fahren. Aber davon werde ich euch nächste Woche berichten.

Ich wünsche euch wie immer einen guten Start in die neue Woche und halbwegs warmes Wetter:)

Krokodilfarm

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