Eine kleine Reise durch Ostafrika (Teil2)

Stranßen in Stone Town

Sansibar- Entspannung durch und durch

Nach einem entspannten und warmen Weihnachtsfest starten wir am 25. nach Sansibar. Zusammen mit Freiwilligen aus Kagera, aber auch Uganda fahren wir mit dem bis jetzt ungemütlichsten Bus Tansanias nach Mwanza. Abends angekommen laufen wir ein wenig durch die Stadt. Nach einem kurzen Schlaf geht es dann zum Flughafen, von dem aus wir nach Dar es Salaam fliegen. Der Flug verläuft ruhig und zeigt wunderschöne Bilder: Aufgrund der niedrigen Flughöhe und des guten Wetters kann man sowohl den Kilimanjaro, als auch den Ngorongoro Krater sehen – schnellzeit Sightseeing.
Nach einem kurzen Zwischenhalt in Dar nehmen wir die Fähre nach Sansibar. Das Schnellboot peitscht durch die Wellen und wer nicht drinnen sitzt wird mehr als nur nass. Abends sind wir dann in Stone Town, der Hauptstadt von Sanisbar, angekommen. So schnell bin ich noch nie in Tansania gereist.

Flugplatz Mwanza


Sansibar wurde nach dem Erlangen der tansanischen (damals noch Tanganjika) und der eigenen Unabhängigkeit (1961/ 1963) mit dem Festland unter der Vereinigten Republik Tansania zusammengeführt (1964). Sansibar besitzt eine gewisse Autonomie, wie zum Beispiel ein eigenes Parlament und einen Präsidenten. Der Staat und seine Gesellschaft sind stark durch den früheren Handel mit den arabischen Staaten geprägt: Unter anderem wird größtenteils arabisch gesprochen und der Anteil der muslimischen Bevölkerung liegt bei mindestens 98%. Stone Town bildet die Haupt- und Verwaltungsstadt von Sansibar. Die Stadt hat viele kleine Gassen, Stände und Märkte. Einer davon ist der Food-Market, auf dem abendlich Speisen angeboten werden.

Food market

Außerdem ist der Food Market ein gutes Beispiel, um sich über das schlechte Benehmen der Touristen zu ärgern. So zum Beispiel eine 20-jährige, die in kurzer Hose, rauchend und ihren Freund abküssend auf dem Markt steht. In den kommenden Tagen gibt es viele solcher Gelegenheiten, um zu wissen, warum einige Einwohner an der Küste und auf Sansibar „wazungu“ (Weißen) immer kritischer gegenüber stehen. In meiner Region, in der Tourismus noch am Kommen ist, wirken die Menschen auf mich viel interessierter und unvoreingenommener.

Stone Town

Am 27. Dezember geht es nach einem Stadtrundgang durch die im Vergleich kühlen Gassen an den Strand. Bei perfektem Wetter hält der Spaß jedoch nicht lange an: Beim Rennen in das Meer bin ich in einen Stein getreten. Dieser muss dann aufwändig im Krankenhaus rausgeschnitten werden. Ohne näher auf Details einzugehen: Schwimmen und Strand ist erst einmal gelaufen… Konstantin besorgt mir zum Glück einen Zuckerrohrstamm, mit dem ich dann wenigstens halbwegs mobil sein kann.
Am 28. fahren wir mit dem Boot auf die Prison Islands. Sie ist eine kleine Insel vor Stone Town, auf der früher Gefangene festgehalten wurden. Während die anderen in dem türkisen Meer Schnorcheln gehen, besichtige ich mit Irina die Insel und die dort angesiedelten Schildkröten. Diese liegen in den lustigsten Stellungen, meistens den Weg versperrend, und sich breitmachend im Park. Und auch hier sorgen Touristen für (m)ein Verärgernis. Damit man nämlich tolle Urlaubsfotos vorzeigen kann, setzt man sich ungeachtet der physikalischen Voraussetzungen des Tieres einfach mal auf eine große Schildkröte. Bevor wir es bemerken, unterbindet der Park Ranger das Treiben. Wir fahren zurück und besuchen erneut den Food Market. Den kommenden Sonntag verbringen wir in der Stadt.Ich lerne einen freundlichen Nachbarn des Guest Houes kennen. Er arbeitet für einen Fußballverein und besorgt mir Krücken, damit ich nicht mehr mit dem Zuckerrohrstamm rumlaufen muss. Und es ist unglaublich, dass trotz des schier unmöglichen Verhaltens einiger Touristen die Menschen größtenteils freundlich und hilfsbereit sind. Sofern man die Kultur annimt und sich an die vor allem religiös vorgegebene Kleiderordnung hält und dann zudem auch noch ein wenig Kisuaheli sprechen kann, erfährt man von vielen Einwohnern Akzeptanz.

Sonnenuntergang Nungwi

Nach einem ruhigen Tag geht es am Montag, 30.12, in den Norden nach Nungwi. Hier planen wir, gemeinsam unser Silvester zu verbringen. Natürlich haben wir uns vorher nicht nach einem Guest House umgeschaut und so verbringen wir den halben Tag damit, eine Unterkunft zu finden. Nachdem diese gefunden ist, geht es an den Strand. Dieser ist überwältigend schön. Auch hier durchgehend türkises Wasser, Sonnenschein und ein toller Strand. Trotz des Schwimm- und Strandverbots – dem Fuß sei Dank – , mache ich mir entspannte Tage an einer Bar. Nungwi und die Hotels an der Strandküste sind reine Touristengebiete. Man merkt es vor allem daran, mit welcher Einstellung einem ein Teil der Sansibari begegnen. Außerdem sind die Preise für tansanische Verhältnisse horrent hoch. Dies führt aber auch dazu, dass Sansibar enorm vom Tourismus profitiert. Ein Großteil der Geschäfte sind auf die Kaufkraft der Besucher angelegt und man hat im Vergleich zum Festland das Gefühl, dass nahezu alle vom Tourismus Vorteile erhalten.

Prison Islands

Den Silvesterabend verbringen wir an einem Hotelstrand, auf dem eine große Party stattfindet. Als wir spätabends/ frühmorgens nach Hause gehen und ich schon relativ müde bin, vergesse ich meinen gesamten Brustbeutel. Erst in meinem Guesthouse merke ich den Verlust und fahre zurück in das Hotel (5 Km). Doch dort ist kein Beutel mehr. Bitte fragt mich nicht, warum ich überhaupt alle Dokumente mitgenommen habe – ich weiß es nicht. Neben Geld- und Kreditkarte sind auch Reisepass, Reisevisum, Impfpass etc. weg. Nach einem netten Gespräch mit der Notrufnummer der deutschen Botschaft in Dar es Salaam gehe ich zur Polizei, um eine Verlustmeldung aufzugeben. Diese scheint jedoch ein wenig verkatert und die Officer laufen mir mit Badeshorts entgegen. Sie sind weder interessiert an dem Fall, noch motiviert, irgendetwas zu unternehmen. Erst als ich den Honorarkonsul aus Sansibar einschalte, geht alles wie von selbst. Ich fahre erneut zum Hotel und frage überall nach. Nach vergeblichen Versuchen schmiede ich Pläne für die nächsten Tage. Ich werde morgen Richtung Dar es Salaam fahren und muss bei der Botschaft meinen neuen Pass beantragen. Nach 40 Stunden wach sein falle ich in die Strandliege und schlafe ein. Klar ist: Der Urlaub ist weitesgehend gelaufen…

Silvesterparty

Am nächste Morgen, nicht wirklich gut geschlafen und gelaunt, fahre ich nach Dar es Salaam. Mit der Nachtfähre komme ich am nächsten Morgen, dem 3.1, in der Hauptstadt an. Nach dem Besuch bei der Botschaft geht es zum Immigration Office. Der miesgelaunte Herr mit den 3 Sternen (höchste Position) lacht mich erst einmal abfällig aus und sagt, dass ich erneut die 550 Dollar für ein Visum bezahlen muss. Doch just in dem Moment ruft David an. Er wurde von dem Honorarkonsul in Sansibar kontaktiert: Mein ganzer Brustbeutel wurde angeblich gefunden und soll mir übergeben werden. David trifft die Person und kann den Beutel für 60.000 Schilling „abkaufen“. Ihr könnt euch vorstellen, was für ein Stein mir vom Herzen fällt. Da ich nun leider nicht mehr in Sansibar bin, fahre ich nach Bagamojo (70 km von Dar entfernt). Ich rufe einen Freund, Mitarbeiter im besten Lokal Bagamojos, an und treffe ihn 2 Stunden später. Bagamojo kenne ich noch von meinem Besuch im November.

Sansibar

Ein Tag später kommt David nach Bagamojo und bringt mir den ersehnten Brustbeutel. Es ist wirklich alles drin, außer das Geld. Neben unfassbarem Glück kommen auch die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Tansanier hinzu. Es stärkt das Vertrauen – das ohnehin riesig ist – in das Land und die Leute. Bis zum 6. Januar verbringen wir unsere Zeit in Bagamjojo und dann geht es zurück nach Bukoba. Letzendlich habe ich den Urlaub nur von Sansibar nach Bagamojo verlagert und kann die letzten Tage super genießen.

Küste Dar es Salaam

Wir treffen uns alle wieder am Flughafen in Dar. Die Leute aus Sansibar wären beinahe zu spät gekommen. Aufgrund des Unwetters ist am Vortag eine Fähre zwischen dem Festland und der Insel gekentert und viele Menschen sind gestorben. Es ist ein komisches Gefühl, wenn man selbst eine Woche zuvor mit demselben Boot gefahren ist. Grund für die vielen Toten ist, dass die meisten nicht schwimmen können. Über Mwanza geht es dann wieder zurück und ich komme am Dienstag, den 7. Januar, in Bukoba an.

Schwimmen ist nicht

Am 8. Januar geht es wieder mit der Arbeit los und vor mir liegen die wohl arbeitsreichsten und stressigsten Wochen in Tansania. Ich wünsche euch eine schöne Zeit in Deutschland und liebe Grüße aus dem wunderschönen Bukoba.

Strand vor Stone Town Ab auf die Prison Islands Küste Dar es Salaam Flugplatz Mwanza  Strand in Nungwi Strand Nungwi Gassen von Sansibar  Strand Nungwi  Küste Dar es Salaam

 

 

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