Gemischte Gefühle

Kommunikation

Einen guten Morgen aus Bagamojo! Nach einer sehr spannenden Woche, in der wir auch, so viel will ich schon veraten, endlich unser Visa bezahlen konnten, sind wir jetzt in dem 70 Km entfernten Strandort und genießen das Wochenende. Doch jetzt komme ich erst einmal zu meiner Woche vor Dar es Salaam (21.10-27.10).

Jambo Bukoba (Hallo Bukoba)

Am 31. Januar stehen die Final Bonanzas an. Bei diesen treten die 8 Gewinnerschulen aus jedem Distrikt Kageras an. Jambo Bukoba wurde vor fünf Jahren gegründet und hat seit dem in der Region Kagera nicht nur an Bedeutung, sondern auch an Bekanntheit gewonnen. Aus diesem Grund wollen wir in diesem Jahr auch Unternehmen und Einzelpersonen aus Bukoba ansprechen und um ihre finanzielle oder materielle Unterstützung werben. Wir schreiben sog. Proposals, die wir in Banken, Hotels und Nahrungsmittelläden verteilen und vorstellen. Diese enthalten nähere Informationen über Jambo Bukoba, unsere Aktivitäten und die Möglichkeit, uns zu unterstützen. Nachdem ich vier Stück verteilt habe, kaufe ich noch unsere Bustickets für den Ausflug nach Dar es Salaam. Denn wieder liegen ca. 30 Stunden Busfahrt vor uns.

Gruppenbild

Am Dienstag geht es, wie ihr es schon ahnt, früh aus dem Bett, denn das wöchentliche Skype Telefonat mit Clemens steht an. Wir besprechen u.a. ein neues Projekt, dass durch Jambo Bukoba in der Region Kagera gestartet werden soll: Boxing girls. Wir wollen die Mädchen aus der Region Kagera dazu bewegen, bei Boxkursen und -trainings mitzumachen, um diese somit nicht nur körperlich, sondern vor allem geistig zu stärken. Ich finde das Projekt super und freue mich schon, es umzusetzen. Wir werden mit einer Organisation aus Kenia zusammenarbeiten, die das Projekt seit vielen Jahren erfolgreich betreibt.

Rulenge

In dieser Woche steht auch noch ein erneuter Besuch der Rulenge Primary School in Ngara an. Dort begleite ich den Maler aus Bukoba, der das Logo und den Sponsor für die Bauarbeiten an die Schule malen soll. Da der Weg sehr beschwerlich und langwierig ist, teile ich mir die Strecke auf. Wir fahren mittwochmorgen nach Biharamulo, welches die Hälfte der Strecke darstellt. Am Busstandy in Bukoba werde ich erneut wütend und traurig über das tansanische Bildungssystem. Ein ca. 11 Jahre altes Kind verkauft Getränke, um sich und oder seine Familie zu ernähren und kann aus diesem Grund nicht einmal die Grundschule besuchen. Auch als ich an der Kishoju Primary School in Muleba war, sah ich das gleiche Bild:

Keine Schulkinder

Natürlich trägt die Regierung und das momentane System eine große Rolle, jedoch sind auch die Familien in einer schwierigen Lage. In einem Land, wo es keine sozialstaatliche Hilfeleistungen gibt, werden Kinder schon früh in die Verantwortung gezogen. Auch (Halb-) Waisenkinder haben meistens gar keine Möglichkeit in die Schule zu gehen, weil sie sonst verhungern würden. Ich habe ja schon oft gesagt, dass es den Menschen hier den Umständen entsprechend gut geht, da die meisten genug zu essen haben. Wenn man jedoch genauer hinschaut, sind es vor allem die Auswirkungen des Bildungs- und Gesundheitssystems auf die Menschen, die einen schon sehr traurig machen können.

Pita

 

Jedenfalls komme ich Abends in Biharamulo an und finde eine Unterbringung für den Maler. Ich schlafe heute bei einem weiteren Freiwilligen, Kalle. Er arbeitet für Chema, die sich unter anderem für die Schaffung von Baumschulen in Kagera einsetzt. Gonzaga hat für mich einen Transport nach Rulenge organisiert, mit dem ich mich um 6 Uhr in Biharamulo treffen soll. Der Maler und ich stehen pünktlich um 5:55 Uhr am vereinbarten Treffpunkt. Der Fahrer, ein Priester aus Biharamulo, jedoch, trifft um 7:30 Uhr ein. Worüber ich mich vor wenigen Wochen noch insgeheim aufgeregt habe, stört mich jetzt überhaupt nicht mehr. Ich bin froh, als wir uns dann endlich auf den Weg machen. Die Fahrt dauert erstaunlich kurz und somit kommen wir rund zwei Stunden später in Rulenge an. Dort werden wir von dem Head Teacher der Schule empfangen und es gibt erst einmal Tee und Frühstück. Ich zeige den Maler, wo er das Gemälde erstellen soll und besuche die anderen Freiwilligen, bei denen ich vor wenigen Tagen übernachtet habe. Da der Priester erst wieder um 15:00 Uhr losfährt verbringe ich einen halben Tag mit Franziska und Eva in dem kirchlichen Waisenhaus und spiele mit den Kindern.
Besonders freuen sich Pita und Moses, beide Jungs, über einen männlichen Besuch. Sie sind 14 und 18 Jahre und können perfekt englisch sprechen. Sie übernehmen für viele der Kinder eine Vaterrolle, passen auf diese auf, spielen mit ihnen und entwickeln eine enorme soziale Kompetenz, die mich beeidruckt. Während Moses mir seine Gewichte zum Trainieren zeigt und wir uns spaßeshalber messen, erzählt er ein wenig über sich. Er war auf einer Primary School, jedoch ist es ihm nicht möglich auf eine weiterführende Schule zu gehen, weil Ihm und dem Waisenhaus das Geld fehlt. Wieder stoße ich auf das selbe, eben beschriebene Problem. Beide Kinder sind sehr intelligent und beeindrucken mich. Zum einen kostet eine weiterführende Schule Gebühren und zum anderen ist der Schulweg zu groß. Sie müssten also in eine Internatsschule für rund 500 Euro im Jahr. Leider geht die Zeit viel zu schnell um und ich fahre zurück nach Biharamulo. Wenn ich mal wieder in Rulenge bin, werde ich mit ihnen nach einer Schule in der Umgebung schauen und vielleicht findet sich ja ein Spenderkreis für die beiden. Angekommen in Biharamulo, treffe ich Kalle und Tine. Morgen steht unser District Bonanza in Biharamulo an.

Gonzaga der Entertainer

Zu diesem geht es freitagmorgen um 8 Uhr. Wir treffen Gonzaga und die Jury und machen uns auf den Weg zum Fußballplatz. Mit dabei ist auch Kalle, der sich unsere Bonanzas auch einmal anschauen möchte. Die Musikanlage ist zwar schon aufgebaut, jedoch fehlt jede Schule. Mal wieder sind es die fehlenden Transportmöglichkeiten, die uns erst zwei Stunden später beginnen lassen. Leider sind auch weniger Zuschauer da, als sonst, denn der Fußballplatz grenzt nicht unmittelbar an einer teilnehmenden Schule. Und wie so oft, toppt der District Education Officer alles: Er kommt mit seinem neuen Toyota PickUp, der mehr verbraucht als 2 Busse und hält seine Rede. Diese handelt meistens mehr von sich und seiner Person, als von anderen Inhalten. Es ist ja auch nicht so, dass er einen Fußweg von 3 Minuten gehabt hätte und der Driver, der für den ganzen Tag bezahlt wird quasi unnötig ist. Es wäre nicht weiter schlimm, wenn da nicht das Faktum Transportkosten wäre. Die Schüler müssen teilweise 15 Km laufen, um den Platz zu erreichen und anstatt das Geld in die auch aus ökologischen Grunden unnütze Fahrt des DEO´s zu stecken, hätte man auch zwei Transportbusse anmieten können…

Da ist der Ball

Die Bonanza machen trotzdem viel Spaß und wir fahren müde nach Hause. Am Wochenende feier ich zum den Sieg des SV Darmstadt 98 und zum anderen packe ich meine Sachen für die Fahrt nach Dar es Salaam, die montags um halb sechs beginnt. Wie gesagt: Von dieser Woche berichte ich in den nächsten Tagen;) Ein schönes Wochenende!

Ein Gedanke zu „Gemischte Gefühle

  1. Lieber Luca,
    der Elefant ist angekommen und wir haben uns sehr gefreut über Deinen Brief.
    Wir wünschen Dir gesegnete Weihnachtstage und einen guten Rutsch ins neue Jahr.
    Wir vermissen Dich und freuen uns auf ein Wiedersehen.
    Alles Liebe
    Deine Mutzes und Miri

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